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Das Unerzählte

Das Unerzählte ist ein Teil der Story Dragon's Menace. Sie spielt inmitten der Erzählung Die Reise, und beinhaltet Teile der Geschichte, die nicht erzählt wurden.

Ende der ReiseBearbeiten

Der metallische Fuß setzte mit einem Klacken auf dem polierten Boden auf. Und das jedesmal, wenn er ging. Das Geräusch hallte von den Wänden zurück, die ebenfalls poliert waren. Als er so den Gang entlangging, fiel ihm besonders die Reinlichkeit seines Schiffes auf.
Man hatte ihm mitgeteilt, es seien zwei unbekannte Spezii eingedrungen, die sich aber selbst gestellt haben. Laut des zuständigen Offiziers waren beide sehr Ausgehungert und konnten kaum noch stehen.
Schon nach der nächsten Biegung kam eine Eskorte aus zwei Soldaten angerannt, sie schwiegen aber. Er ging weiter. Als er wieder um die Ecke bog, gelangte er zu einer Tür, die Magnetisch abgeriegelt war. Nach einem schnellen Tippen eines Codes in ein Schaltfeld öffnete sich die Tür.
Dampf schlug ihm ins Gesicht, und benebelte zunächst sein technisches Auge. Mit einer kurzen Bewegung wurde die Scheibe von alleine gereinigt, und dann konnte er die beiden Fremdlinge erkennen. Die erste Person war ihm eher unwichtig; es handelte sich um eine Kaßas, die zwar ganz hübsch aussah, aber ihn nicht weiter interessierte. Die andere erschien ihm wichtig: Es handelte sich um einen, von ihm doch so sehr verhassten Praer. Natürlich dachte er gleich an die drei seiner Vergangenheit. Um ganz sicher zu gehen, wen er vor sich hatte, scannte er ihn mit dem Auge noch einmal ab. Nach dem Scan war er sich sicher; es handelte sich um Berwak, der ihm den Flügel abgeschlagen hatte. Über seine Wut unkontrolliert, packte er ihn mit seiner metallenen Hand an der Kehle, und schlug ihn gegen die Wand. Noch benommener winselte der Praer etwas. Jetzt nahm er sein eigenes Schwert, und schlug dem Praer den Flügel ab. Er schrie wie verrückt, und sein violettes Blut spritzte an die weiße Wand. Nun öffnete er die Luftschleuse, und warf seinen Gegner hinein. Einen letzten zornigen Schlag auf den Knopf zum öffnen, und der Prae wurde in den weiten Raum gesogen. Naws hatte den zweiten erledigt, ohne Verluste und ohne ein Wort zu sagen.
Nun bemerkte er, wie die Kaßas umfiel. Mit einem Sprung war er bei ihr, und konnte sie noch halten. Sie gefiel ihm. Sie gefiel ihm sehr. Er wollte sie nicht töten. Nun befahl er seinen Soldaten, die Kaßas in sein Zimmer zu legen und mit Nahrung zu versorgen.

Später Abend, gegen 23:00 Uhr.

Sie wachte auf, und sah nichts. Sie war in ein dunkles Zimmer gelegt worden. Es gab keinen Lichtschalter, und aus irgendeinem Grund verspürte sie keinen Hunger mehr. Nun versuchte sie in dunklem etwas zu erkennen. Das einzige was sie sah, war das kleine rote Lämpchen einer Schalttafel. Sie setzte sich auf ihrem Bett, in dem sie zuvor lag, auf, und stellte sich hin. Der Boden war unter ihren nackten Füßen kalt, und fühlte sich glatt an. Vorsichtig, bemüht keinen laut von sich zu geben, tastete sie sich zu dem kleinen Gerät. Nun klopfte sie die Wand ab, um herauszufinden, ob dieses Gerät vielleicht zur Tür führte. Und so war es auch: Kaum eine Handbreit entfernt hörte man das dünne Metall deutlich widerhallen. Um das System geschickt zu umgehen, musste sie den Kasten aufbrechen. Zwei ihrer Fingerspitzen klemmte sie zwischen die Oberfläche, die mit Zahlen zum Eingeben eines Codes versehen waren, und zwischen die Wand. Mit einem heftigen Ruck brach die Platte ab und fiel scheppernd auf den Boden. Ein Schock durchfuhr sie und sie blieb kurz still. Sie konnte allerdings niemanden hören, also machte sie weiter.
Um ein wenig Licht zu haben, zog sie das rote Lämpchen ein Stück am Kabel heraus. Es war zwar ein schwaches Licht, aber es reichte. Nun kramte sie in ihrem Gedächnis nach der Technik, elektrische Schlösser zu knacken. Soweit sie wusste, musste sie nur die richtigen Vertiefungen in dem Schaltfeld darunter zu drücken. Doch leider war dieses Gerät mit einer sichereren Zahnrad-Funktion gebaut. Dies war um einiges komplizierter, da sich auf dem Feld keine eindrücke befanden, und man so die richtige Kombination der Zahnräder herausfinden musste.
Sie rätselte noch eine Weile daran herum, bis sie einen Lösungsweg fand. Da sie nun ebenfalls den Zahlencode wusste setzte sie die eigentliche Schaltfläche wieder auf und drückte den Code. Die Tür ging auf, und Malekhia trat auf den polierten, dunklen Flur hinaus.

Gleiche Zeit, anderer Ort.

Er konnte nicht richtig schlafen. Arten von Visionen plagten ihn, und so knipste er eine Lampe an. Die Hände auf den Knien und das Gesicht in den Händen saß er eine Weile auf seinem Bett und ging seine Träume noch einmal durch. Seine technische Hand fühlte sich kalt an, auf dem teil seiner Gesichtshälfte, die noch organisch war. Zwar waren Tastsensoren eingebaut worden, doch seine Hand fühlte sich fortwährend so an, als ob es nicht seine wäre.
Er wurde plötzlich aus den Gedanken gerissen, als er ein dumpfes Geräusch von dem hinteren Teil seines Schiffes hörte. Schnell legte er seine ebenfalls kühle Rüstung an und schlich aus seiner Kabine.
Versucht sich schleichend fortzubewegen, ging Naws den dunklen Flur entlang. Sein metallischer Fuß klackte, was ihm in diesem Moment unheimlich laut vorkam. Er verfluchte innerlich noch einmal die Praer, die ihm das antaten. Also kam er noch langsamer vor als sonst. Endlich fand er die Ursache des Geräuschs, das immer noch andauerte: Eine Sicherheitstür konnte sich nicht schließen, ein Gegenstand dazwischen geklemmt worden war. Mit einem geschickten Handgriff konnte ihn Naws so entfernen, dass seine Hand nicht verletzt wurde und die Tür trotzdem zuknallte. Jetzt schaltete er die kleine Lampe, die an seinem künstlichen Auge befestigt war, an, um den Gegenstand genauer untersuchen zu können. Es war ein Schaltbrett, soviel war klar, und es war entfernt worden. von einem Sicherheitskasten. Er warf einen Blick auf die Zimmernummer, und warf das Stück Metall aus Wut so hart auf den Boden, dass es noch ein paar mal weitersprang, bis es mit lautem Klappern liegen bleib. Die Nummer war 413. Genau das Zimmer, in das die Kaßas gebracht worden war. In Rage lief Naws den nun schnellen Schritten in den Nachbargang, aus dem er bereits schnelle Schritte widerhallen hören konnte.

Ein kleines Stückchen weiter, anderer Gang.

Nun musste sie rennen. Der Drache hatte sie bemerkt, und er war um einiges größer und muskulöser als sie. Mal wieder fiel ihr ihr Hass auf ihre Spezies ein; Die Kaßas waren klein, dünn und zerbrechlich gebaut. Das hatte sie schon immer an ihrer Rolle als Assassine gestört. Und dazu kam noch der Rutschige, viel zu sehr polierte Gang. Oft schlitterte sie einfach um die Kurve.
Dafür war auch der Kritaky geschädigt: Ihm fehlten einige Körperteile, und so wurde er langsamer. Doch lange konnte sich nicht mehr laufen. Sie tastete nach ihrem kleinen Dolch, der sich auf der Innenseite ihres Kampfrocks befand. Er war immer noch da. Sie zog ihn heraus, und ließ die Klinge hochschießen. Sie blieb schlitternd stehen und sprang zur Seite. Durch das plötzliche Anhalten sichtlich irritiert, versuchte auch der Kritaky zu bremsen. Durch sein viel zu hohes Gewicht geriet er aber ins schleudern, und da sie sich in einer Kurve befanden, krachte er hart gegen die Wand. Daraufhin fiel er mit einem Krachen um. Malekhia sprang auf ihn zu, mit dem Dolch in der Hand, und stieß ihn in die Richtung seines Halses. Im letzten Moment packte die kalte mechanische Hand die Spitze des Dolches und hielt sie dort fest. Da bemerkte sie etwas: Die Hand ihres Gegenüber war ihre. Es war die gleiche. Die gleiche Firma hatten anscheinend ihnen Beiden das Leben gerettet. Sie fühlte eine gewisse Verbundenheit zu ihm, und leistete zu ihrem eigenen Leid die die Waffe ein wenig los.

Naws ergriff diese Chance. In seiner Wut, die er öfters verspürte, war er nicht mehr der Herr über sich selbst. Er riss ihr den Dolch aus der Hand, nutzte ihre Verwunderung und rammte ihr mit Wucht den Dolch in den Bauch.
Der Schrei brach seine Mauern. Er zog den Dolch wieder heraus, und presste eine Hand auf die Wunde. Hass auf sich selbst durchfuhr ihn. Die Kaßas kippte auf den Boden, und Blut schoss auf den Boden. Wieder presste er seine Hand auf die Wunde. Das Blut tränkte nun seine Hand und lief auf seinen Arm. In der Dunkelheit war nichts zu hören. ER konnte nicht einmal die Farbe des Blutes erkennen. Sie verlor in seinem Arm das Bewusstsein. Was sollte er tun?
Er warf den Dolch. Somit traf er einen Alarmknopf. Sofort ging ein Alarm an, und Licht durchflutete die Gänge und Zimmer. Die Sichereheitsleute kamen angetrampelt. Das ganze, ruhige Schiff erwachte. Mit lauten Befehlen gab Naws seinen Leuten Anweisungen, und kurz darauf wurde Malekhia auf die Krankenstation gebracht.
Naws kniete auf dem blutigen Boden. Aus dem lebendigen Auge weinte er. "Warum habe ich das getan?!" wiederholte er innerlich immer wieder. Mit der Faust schlug er nach dem Blut. in dem gelblichen Licht der Alarmsirerenen erkannte er die Farbe: Tiefes Dunkelrot, wie das Blut der Kritaky.

Nächster Tag, gegen 17:00 Uhr.

Naws saß schon den ganzen Tag vor der Tür ihres Krankenzimmers und wartete darauf, dass die Ärzte ihn einließen. Elende Stunden der Langeweile wurden ihm dadurch bereitet. Und geschlafen hatte er auch noch nicht. Müde sah er noch einmal auf die Uhr, und konnte nichts erkennen. Seine vor Müdigkeit schmerzenden Augen konnten nur noch Umrisse erkennen. Also stellte er schnell die Sicht seines anderen Auges ein, und konnte endlich die Zeit ablesen. Es war genau 17:00 Uhr. Jetzt wurde die Tür quietschend aufgemacht und ein Kritanischer Arzt kam auf ihn zu.
"Captain, die Kaßas ist jetzt ansprechbar. Wenn sie wünschen, kann ich Euch zu ihr geleiten." sagte er.
"Das ist gut. Hat sie irgendwelche Schäden?" fragte Naws. "Soweit keine körperlichen; sie leidet nur unter einer schweren Amnesie. Am betsen, Ihr klärt sie nicht über die vergangenen Geschehnisse auf." Nach diesem kurzen Wortwechsel stand er auf und ging in das Zimmer. Der Arzt schloss die Tür und blieb mit dem Rücken zu ihr draußen stehen. Naws ging auf die Kaßas zu, die noch schlief.
Sie wachte auf, blickte ein wenig irritiert um sich und sah dann den Kritaky. Ihre Mine erhellte sich. Sie fragte:
"Ach, du bist der, der mir das Leben gerettet hat? Captain Naws, oder so?"
"Das ist...ja...richtig. Ich bin dein...Lebensretter. Genau. Und ich heiße so, das stimmt auch. Dürfte ich deinen Namen erfahren?"
"Mann nennt mich Malekhia."
"Das ist doch ein schöner Name."
"Wann kann ich hier endlich raus?"
"Jederzeit, ich kann dem da hinten eben sagen, dass dein Zustand soweit in Ordnung ist."
Somit stand Malekhia auf. Naws ergriff ihre Hand, um ihr beim Laufen ein wenig zu helfen. Kurz musste er ihren Zustand erklären, dann konnten sie endlich gehen. Er führte sie zu einem Zimmer, das in der Nähe seines eigenen lag, in der Chefetage des Schiffes. Er erklärte ihr, dass es in dem Schrank noch einige Sachen zum Anziehen gab, und schloss dann die Tür. Er war wieder alleine.
Nun schlenderte er den Gang entlang, auf die Kaßarin wartend. Wie immer hallte das Klacken seines Fußes auf dem Boden an den Wänden wieder. Warum machte er all das für sie? Sie war doch eine Fremde! Außerdem war sie zusammen mit seinem Erzfeind gekommen, und dennoch lebte sie! Und das sogar in einer der schönsten Suiten!
Rasch wurde er aus seinen Gedanken gerissen, als die Tür aufglitt. Es war schon dunkel, deshalb konnte er sie nicht richtig erkennen. Mit einem kleinen schlag auf den Lichtschalter war es dann soweit.
Sie sah Atemberaubend schön in dem Kleid aus. Es war weiß, an manchen stellen Blau und dazu trug sie einen Ohrring. Ein paar Haarstränen hingen auf ihre Brust, und an den Handgelenken trug sie Handwärmer, an denen ein leuchtend violetter Stein befestigt war. Ihre metallene Hand wirkte sogar auch gutaussehend, da alles sonst in einer perfekten Symmetrie war und man das nicht so sehr bemerkte. Erstaunt von dem Anblick, verbeugte er sich vor ihr und streckte dann seine Hand aus. Sie wurde sogleich ergriffen und beide gingen Hand in Hand zum sich im unteren Teil des Schiffes befindenen Café. Jetzt wusste Naws es: Er hatte sich in eine andere Spezies verliebt.

Er bestellte im Café die besten Speisen. Auf die Bestellung wartend, sahen sie sich an. Nun fragte er:
"Malekhia, du bist so eine besondere Person. Ich weiß nicht wie ich es sagen soll, aber...ich..." Naws rang nach Worten. Er konnte es jetzt nicht sagen. Es war noch zu früh. Daher stellte er sofort eine Frage, die vielleicht sogar in sein bisheriges Benehmen hineinpassen würde. "Ich würde gerne etwas über deine Vergangenheit wissen."
Zuerst schien sie verdutzt, anscheinend hatte sie etwas anderes erwartet. Doch sie antwortete: "Ich habe nicht mehr viele Erinnerungen, da ich ja leider einer Amnesie zum Opfer gefallen bin. Doch das, was ich dir erzähle, musst du für dich behalten. Das einzige, an was ich mich gerade erinnern kann, ist ein Überfall auf die Glubut vor ein paar Jahren."
"Klingt interessant." sagte er und lehnte sich zurück. Wenn Malekhia eine Verbündete im Kampf gegen das Glubut-Reich werden würde, wäre das eine große Hilfe.
"Ich höre zu."

Die Versunkene Armee

VorbereitungenBearbeiten