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VertrauensbruchBearbeiten

"Sehr rührende Geschichte", sagte Clyde. "Nur hat sie absolut nichts mit unserer Situation zu tun. Es ging hier um die Geschichte, die uns hierher geführt hat. Nicht um die interessanteste Liebesgeschichte. Aber wenn es darum ginge, lägst du ganz weit oben. Deine Geschichte ist immerhin blutig."
"Ist sie gestorben?", fragte Xaccra. "Bist du hier weil du Rache willst?"
"Die Wahrheit ist viel einfacher.", gab Robere zu und kramte in einer Tasche seines Mantels. Ein leises Rascheln war zu hören, dann zog er einen altmodischen Briefumschlag aus normalem Papier hervor und legte ihn auf den Tisch. Er war von einem dunkelblauen Siegel in Form eines Halbkreises, von dem zwei wellenförmige Linien ausgingen verschlossen gewesen, doch Robere hatte das Siegel aufgebrochen.
Als eine Zeit lang niemand danach griff, streckte schließlich Clyde die Hand aus und öffnete den Umschlag. Ein Blatt Papier kam zum Vorschein, dessen Buchstaben schwach durch das Papier gedrückt waren und flache Einkerbungen verursacht hatten.
Clyde räusperte sich und las dann in einer ironisch-geschäftlichen Stimme vor:

Robere.

Das letzte Mal ist missglückt.
Es gibt eine zweite Chance.
Anbei findest du eine Bescheinigung zur Teilnahme.
Anzahlung zuzüglich ursprüngliche Belohnung.
Versag nicht noch einmal.

S.N.


"Ich nehme an, mit Teilnahme war diese Mission gemeint?", fragte Rescc und erhielt als Antwort ein kurzes Nicken von Robere.
Abrupt stand Clyde auf und verließ den Raum ohne ein weiteres Wort.
"Du bist also einfach nur hier, weil du bezahlt wurdest?", fragte Paphalca zweifelnd. "Es gibt keinen persönlichen Grund?"
"Nein. Und ich weiß, dass ihr euch gerade von mir ein anderes Motiv gewünscht habt.", gab Robere zu.
"Was ist aus ihr geworden? Aus Synea?", wollte Xaccra nun wissen. Ihr Blick bestand aus einer Mischung, die Robere als 1/5 Neugier und 4/5 Zweifel definierte. Keiner der anderen schien besonders glücklich zu sein, dass sie ausgerechnet einen Meuchelmörder zu ihrem Anführer gemacht haben.
"Sie lebt, falls es das ist, was du wissen willst."
"Und weiter? Seid ihr ein Paar?", hakte die Grox nach.
"Irgendwie schon. Wir leben beide gefährlich. Einmal pro Standardjahr lässt einer von uns dem anderen eine Nachricht zukommen, die nur aus einem Ort besteht. An einem beim vorherigen Treffen vereinbarten Datum treffen wir uns dann dort. Am nächsten Tag verabschieden wir uns wieder und für ein Jahr existieren wir für einander nicht."
Dann herrschte eine Weile schweigen. Alle versuchten, sich über ihre Gefühle in dieser Situation klar zu werden. Nach einer Zeit brach Grando, der bisher kaum ein Wort gesprochen hatte, das Schweigen.
"Themawechsel: Ich wäre morgen abend dran, meine Geschichte zu erzählen. Allerdings hab ich errechnet, dass wir übermorgen in den frühen Morgenstunden Destructa erreichen. Es wäre also keine Zeit mehr für Clydes Geschichte. Ich hab alles vorbereitet. Wenn ihr wollt, kann ich auch jetzt erzählen?"
"Macht Sinn, oder?", fragte Robere, woraufhin ein zustimmendes Murmeln folgte.
"Was ist mit Clyde?", wollte Paphalca wissen. "Jemand sollte ihn holen."
Robere stand auf und erklärte: "Kein Problem."
Als er sich zum Ausgang des Raumes umdrehte, ertönte hinter seinem Rücken ein metallisches Geräusch, zusammen mit dem Geräusch eines Fußes auf dem blanken Boden. "Ich komme mit.", sagte Xaccra. "Ich möchte was mit dir besprechen."

Grandos GeschichteBearbeiten

Leise summend verschloss sich die Tür hinter Xaccra und Robere.
"Du brauchst meinen Schutz nicht mehr?", fragte Robere unvermittelt.
"Ich glaube, ich habe etwas überreagiert.", sagte Xaccra mit einem angedeuteten Lächeln. "Aber es hat nichts mit deiner Geschichte zu tun. Für mich bist du auch weiterhin unser Anführer."
Robere nickte, dann wandte er sich von ihr ab und die beiden gingen schweigend nebeneinander durch den grauen Gang. Xaccras metallische Schritte hallten laut durch die Gänge und störten Robere immer wieder bei seinen Gedanken. Schon übermorgen würde sich sein Schicksal entscheiden. Er hatte das absolute Kontaktverbot, dass Synea und er sich auferlegt hatten, ignoriert und ihr mitgeteilt, dass er diese Mission angenommen hatte. Es war keine Antwort gekommen, aber etwas anderes hatte er auch nicht erwartet. Seine Gedanken schweiften zu Rescc und Paphalca ab. Auch die beiden hatten sich vor dieser Mission gekannt und obwohl ihre Beziehung ganz anders war, als die von ihm und Synea, musste er immer wieder an sie denken, wenn er die beiden zusammen sah.
"Wir sind da.", riss Xaccra ihn auf einmal aus seinen Gedanken.
Robere schüttelte kurz den Kopf, um ihn wieder frei zu bekommen, dann klopfte er an der weiß-lackierten Tür mit dem Einwegfenster, das es zwar erlaubte, von innen auf den Gang zu sehen, aber nicht andersherum.
Die Tür öffnete sich mit dem gleichen Surren,mit dem sich die Tür des Konferenzraumes geschlossen hatte.
"Was ist?", fragte Clyde.
"Grando erzählt seine Geschichte.", erklärte Robere.
"Damit du morgen Zeit für deine hast!", ergänzte Xaccra.
"Schön für ihn, aber das interessiert mich nicht. Und ich werde morgen auch meine Geschichte nicht erzählen."
Clyde betätigte einen Knopf neben dem Eingang, woraufhin sich diese leise zu schob.Im letzten Moment schob Robere einen seiner bestiefelten Füße in die verbliebene Öffnung. Xaccra fragte sich für einen Moment, ob das die Stiefel aus seiner Geschichte waren. Die mit den Klingen.
Die Tür schob sich automatisch wieder auf und bevor Clyde reagieren konnte, packte Robere ihn am Kragen und zischte ihm zu: "Du wirst deine Geschichte erzählen. Ob du Grando zuhörst oder nicht, ist mir egal. Aber morgen abend sitzt du auf dem Erzählerstuhl und berichtest uns."
Clyde riss Roberes Hände von seinem Kragen und erwiderte dann in angriffslustigem Ton: "Von mir aus, aber ich kann dir versprechen, dass dir nicht gefallen wird, was ihr zu hören bekommt."
Dann stieß er den Muhosaurus aus seiner Kabine und schloss die Tür.
Mit einem unsicheren Lächeln sagte Xaccra: "Der wird sich nie ändern..."
Dann gingen die beiden zurück in den Konferenzsaal und erklärten in knappen Worten, dass Clyde nicht zuhören wollte.
Grando hatte sich bereits auf den Erzählerplatz gesetzt, nun nahmen Xaccra und Robere nebeneinander Platz und lauschten seiner Geschichte.

Wird Fortgesetzt im Nächsten Teil